
EU–Indien‑Freihandelsabkommen
Potenziale für die steirische Automatisierungsbranche
Die EU und Indien haben nach jahrelangen Verhandlungen wesentliche Fortschritte beim Abschluss eines umfassenden Freihandelsabkommens erzielt. Das Abkommen sieht vor, dass Indien Zölle auf 96,6 Prozent der EU‑Warenexporte abbaut oder senkt, was europäischen Unternehmen langfristig deutliche Kostenreduktionen ermöglichen könnte. Die WKO verweist auf erwartete jährliche Zolleinsparungen von rund 4 Milliarden Euro, die sich positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Exportwirtschaft auswirken würden.
Durch die Modernisierung des indischen Marktes und die Verbesserung des Marktzugangs könnten sich zusätzliche Handlungsspielräume für österreichische Unternehmen ergeben, insbesondere für industriell geprägte Bundesländer wie die Steiermark.
Indien als Wachstumsmarkt mit hoher industrieller Dynamik
Indien zählt zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaftsräumen weltweit. Die WKO hebt hervor, dass Maschinen, technische Geräte und Fahrzeuge bereits heute zu den wichtigsten österreichischen Exportgütern nach Indien gehören. Gleichzeitig berichtet die ICS‑Steiermark aus Unternehmensbefragungen, dass österreichische Niederlassungen in Indien eine positive wirtschaftliche Entwicklung wahrnehmen und zahlreiche Firmen mit weiterem Wachstum rechnen.
Die Erfahrungen aus ICS‑Delegationsreise nach Indien im Frühjahr 2024 unterstreicht diese Einschätzung: Steirische Unternehmen trafen dort auf ein wirtschaftliches Umfeld, das sich stark in Richtung Industrialisierung, Modernisierung und Digitalisierung entwickelt. Auch Vertreter:innen der Plattform Automatisierungstechnik Steiermark – darunter Herbert Ritter, Udo Traussnigg und Helmut Röck – nahmen an dieser Reise teil und konnten einen unmittelbaren Eindruck von der Nachfrage indischer Industriebetriebe nach modernen Produktionslösungen gewinnen.
Potenzielle Auswirkungen auf Automatisierung, Smart Production und Advanced Technologies
Für die steirische Automatisierungsbranche könnten sich aus dem Abkommen verschiedene Vorteile ergeben. Der Wegfall oder die Reduktion bislang hoher Zölle sowie die Vereinfachung administrativer Verfahren könnten dazu führen, dass steirische Unternehmen ihre Produkte und Lösungen kosteneffizienter und schneller nach Indien liefern können. Dies betrifft vor allem drei Kernbereiche der regionalen Automatisierungswirtschaft: Maschinenbau, Elektrotechnik/Elektronik und Informatik.
Im Maschinenbau könnte sich der Marktzugang verbessern, da komplexe Anlagen und Produktionssysteme durch geringere Zölle wettbewerbsfähiger werden. Für Unternehmen aus der Elektrotechnik und Elektronik – insbesondere solche, die Antriebs‑, Steuerungs‑ oder Sensortechnik anbieten – könnte sich die Integration ihrer Komponenten in indische Produktionsprozesse erleichtern, wenn technische und administrative Markteintrittsbarrieren sinken.
Auch im Bereich Informatik und Digitalisierung könnten Unternehmen profitieren. Indien investiert stark in digitale Produktionssteuerung, Automatisierungssysteme und datenbasierte Fertigung. Sollte das Abkommen wie vorgesehen zu einem erleichterten Export von Software‑, IT‑ oder Engineering‑Lösungen beitragen, könnten sich vermehrt Möglichkeiten für Anwendungen in Smart Production, digitalen Prozessketten und Advanced Technologies ergeben.
All diese Effekte hängen jedoch maßgeblich davon ab, wie konsequent die im Abkommen vorgesehenen Maßnahmen umgesetzt werden und wie stark indische Marktakteure auf europäische Automatisierungstechnologien zurückgreifen.
ICS unterstützt beim Markteintritt
Das Internationalisierungscenter Steiermark (ICS) bietet laufend Unterstützung für steirische Unternehmen, die neue Auslandsmärkte erschließen oder bestehende Aktivitäten vertiefen möchten. Dazu gehören Veranstaltungen, Informationsangebote, Delegationsreisen und Vernetzungsformate, die sich auch speziell mit dem Markt Indien befassen. Die ICS‑Marktsondierung im Rahmen der Delegationsreise zeigt, dass diese Angebote für Unternehmen wertvolle Einblicke und erste Geschäftskontakte ermöglichen können. Mehr dazu finden Sie hier: https://www.ic-steiermark.at/
Ausblick
Das EU–Indien‑Freihandelsabkommen hat das Potenzial, internationale Handelsbeziehungen deutlich zu erleichtern und zu vertiefen. Für die steirische Automatisierungsbranche könnten sich dadurch neue Wachstumschancen ergeben – insbesondere in den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik/Elektronik und Informatik sowie in Querschnittsthemen wie Automatisierung, Digitalisierung, Smart Production und Advanced Technologies. Wie stark diese Potenziale tatsächlich wirksam werden, hängt von der praktischen Umsetzung des Abkommens und der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung in Indien ab.
