
Know-how der AT STYRIA-Partner gefragt von Japan bis Texas: Auftrags-„Triple“ für steirische Automatisierungstechnik
Grübl aus Gersdorf liefert das „elektrotechnische Nervensystem“ für ein Biomassekraftwerk in Japan, Zeman aus Scheifling automatisiert eine Stahlfabrik in Texas und Fb Industry aus Albersdorf-Prebuch baut ein Speziallager für Airbus: Die steirische Automatisierungstechnik ist mit Auftrags-„Triple“ im Aufwärtstrend. Blitzumfrage des AT Styria bestätigt die positive Entwicklung.
GERSDORF/SCHEIFLING/ALBERSDORF. Der industrielle Gegenwind sei nicht verschwunden. Doch jene Betriebe, die ihre Kunden produktiver und vor allem unabhängiger von nach wie vor knappen Fachkräften machen, würden mit vergleichsweise „gut gefüllten Auftragsbüchern“ in die kommenden Monate starten. Zu diesem Befund kommt aktuell der AT Styria: Das Netzwerk mit über 150 Unternehmen und 35.000 Beschäftigten der Automatisierungsbranche hat in einer Blitzumfrage die aktuelle Auftragslage der Branche erfasst. Konkret erwarten zwei von drei befragten Betrieben in den kommenden Monaten eine positive Marktentwicklung, 61 Prozent sprechen gar von einem „guten oder sehr guten Auftragsbestand“. Und mit 54 Prozent planen mehr als die Hälfte der Unternehmen, ihren Personalstand im laufenden Jahr weiter auszubauen.
„Von einem flächendeckenden Boom kann keine Rede sein. Im Kern der steirischen Automatisierungsbranche ist die Stimmung aber deutlich besser als in vielen anderen Industriebereichen – einzelne Betriebe sprechen sogar von einem Auftragshoch“, berichtet AT-Styria-Vorsitzender Herbert Ritter. Aktuell seien Aufträge im dreistelligen Millionenbereich eingefahren worden.
Automatisierung werde dabei von zwei Entwicklungen getragen: „Was früher vor allem Kosten senkte, hält heute Standorte lieferfähig. Wo Fachkräfte fehlen, entscheidet Automatisierung zunehmend darüber, ob Aufträge überhaupt abgearbeitet werden können. Gleichzeitig profitieren unsere Unternehmen von der internationalen Nachfrage: In zahlreichen Weltregionen wird kräftig investiert. Durch die intelligente Vernetzung von Ressourcen und Technologien lässt sich die Produktivität steigern – und damit können auch höhere Lohnkosten zumindest teilweise ausgeglichen werden. Deshalb laufen diese Investitionen selbst in herausfordernden Phasen weiter, und zwar weltweit“, erklärt Ritter.
Gersdorfer Nervensystem für japanisches Kraftwerk
Wie weit der Aktionsradius der steirischen Automatisierungstechniker reicht, zeigt ein jüngst abgeschlossenes Projekt in Japan: Für ein Holzgaskraftwerk, das gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt, entwickelte Grübl Automatisierungstechnik aus Gersdorf an der Feistritz das „elektrotechnische Nervensystem“. Heißt: Der 130-köpfige Familienbetrieb lieferte die gesamte Steuerungssoftware, fertigte die Schaltschränke und nahm die Anlage gemeinsam mit einem japanischen Elektrotechnikbetrieb in Betrieb. „Wir bilden das gesamte Verfahren im Code ab. Der Anlagenbediener muss auf einen Blick verstehen, was im Kraftwerk passiert und wie er eingreifen kann. Gleichzeitig können wir aus Gersdorf die Anlage überwachen und bei einer Störung sofort unterstützen. Gerade bei einem Standort in Japan ist diese Verbindung entscheidend“, sagt Geschäftsführer Urban Grübl über den Prestigeauftrag aus Japan, an dem ein halbes Jahr gearbeitet wurde.
Für zusätzliche Auslastung sorgt darüber hinaus ein ungewöhnliches Geschäftsfeld: Gemeinsam mit dem Kärntner Anlagenbauer Urbas automatisiert Grübl Hubschrauberlandeplätze auf deutschen Krankenhäusern – von der Befeuerung über die Löschanlage bis zur Heizung. Rund zehn Plattformen wurden bereits umgesetzt, die nächsten 20 sind laut Unternehmen verkauft. Insgesamt erzielt Grübl etwa die Hälfte des Geschäfts im Export. Besonders stark sind die Feistritztaler in Deutschland, Skandinavien und den baltischen Staaten. Bis Jahresende sind bis zu 15 zusätzliche Stellen vorgesehen – vor allem in der Elektromontage, Softwaretechnik und Lehrlingsausbildung.


Scheiflinger Technik für Texas
Ein zweites Erfolgsbeispiel aus dem Clusternetzwerk führt nach Texas. Dort setzt ein international tätiger US-Stahlbauer auf eine automatisierte Fertigungslinie von Lincoln Electric und dessen steirischer Tochter Zeman. Das in Scheifling entwickelte Herzstück besteht aus vier Kernanlagen: Stahlteile werden zunächst erfasst und sortiert, anschließend von einem „Steel Beam Assembler“ zu Trägern zusammengesetzt und in zwei Roboterzellen verschweißt. Fahrerlose Transportsysteme und Querförderer verbinden die einzelnen Stationen, eine zentrale Software steuert den Materialfluss. Die vom Kunden gemeldeten Ergebnisse sind deutlich: Die Montageeffizienz sei um 500 Prozent gestiegen, der Aufwand für Sortierung und Teilehandling um 90 Prozent gesunken. Gleichzeitig habe sich die Schweißleistung um 50 Prozent erhöht, während Montagefehler um bis zu 95 Prozent reduziert worden seien.
KI-Boom beflügelt Murtaler
„Unsere Stärke liegt in der Verbindung von Maschinenbau, Robotik und Software. Vom digitalen 3D-Modell bis zum fertig geschweißten Stahlträger greifen sämtliche Prozesse ineinander. Dadurch können wir Lösungen für unterschiedlichste Produktionsgrößen entwickeln und weltweit einsetzen“, erklärt Zeman-Betriebsleiter und Prokurist Gregor Uher. Das Murtaler Unternehmen beschäftigt rund 150 Menschen und ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer beim automatisierten Zusammenbau von Stahlträgern. Mehr als 150 Systeme aus der „Steel Beam Assembler“-Familie sind weltweit im Einsatz – auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis. Die Bandbreite reicht von kleineren Stahlbaubetrieben mit rund 3.500 Tonnen Jahresleistung bis zu Industriewerken, die jährlich



Airbus lagert schwere Bauteile mit oststeirischer Technik
Auch in Albersdorf-Prebuch zeigt die Kurve nach oben. Fb Industry Automation erwartet für das laufende Jahr das höchste Auftragsvolumen seiner Unternehmensgeschichte. Ein aktueller Folge-Großauftrag kommt von niemand Geringerem als Airbus: Nachdem die Oststeirer für den Standort Hamburg bereits ein automatisiertes Kleinteilelager mit 2.500 Behälterstellplätzen für die Produktion des Langstreckenflugzeugs A321 XLR umgesetzt haben, realisiert Fb nun eine individuelle Schwerlastlösung: Am Standort Augsburg errichtet der steirische Automatisierungsspezialist ein Pufferlager für besonders große und schwere Luftfahrtbauteile.
Heißt konkret: Die Bauteile müssen sicher aufgenommen, zwischengelagert und exakt zum richtigen Zeitpunkt für die nächsten Produktionsschritte bereitgestellt werden. Dafür entwickelt Fb Industry eine speziell ausgelegte Fördertechnik. Gesteuert wird das System über die hauseigene Software „Fb Stash“, die Lager- und Transportaufträge koordiniert sowie Bestände und Materialbewegungen in Echtzeit sichtbar macht. „Bei einem Sonderprojekt dieser Größenordnung müssen Mechanik, Steuerung und Software präzise zusammenspielen. Es reicht nicht, ein schweres Bauteil von A nach B zu bewegen. Entscheidend ist, dass jeder Transportauftrag nachvollziehbar ist, die Anlage jederzeit weiß, wo sich welches Teil befindet, und der nachfolgende Prozess verlässlich versorgt wird“, sagt Geschäftsführer Werner Frissenbichler. Im vergangenen Jahr ist das 2008 gegründete Unternehmen um mehr als 20 Beschäftigte gewachsen; weitere Fachkräfte werden gesucht.


