
openmaind: Mit KI zu mehr Flexibilität in der mobilen Robotik
Mit openmaind begrüßt AT STYRIA ein neues Mitglied, das KI und mobile Robotik auf innovative Weise verbindet. Das Grazer Unternehmen entwickelt KI-basierte Software für die Planung, Integration und herstellerunabhängige Orchestrierung mobiler Robotik und setzt dabei auf langjährige Erfahrung in der Intralogistik und Automatisierung. Im Interview gibt openmaind Einblicke in seine Lösungen, aktuelle Herausforderungen in der mobilen Robotik und die Rolle von KI für die Automatisierung der Zukunft. Außerdem erfahren wir, warum sich das Unternehmen für eine Mitgliedschaft bei AT STYRIA entschieden hat und welche Potenziale es im Austausch innerhalb des Netzwerks sieht. Wir freuen uns sehr, openmaind als neues Mitglied in unserem Netzwerk begrüßen zu dürfen, und auf eine spannende Zusammenarbeit, gemeinsame Projekte und viele neue Impulse für die steirische Automatisierungslandschaft.
Bitte beschreiben Sie Ihr Unternehmen in ein paar Sätzen. In welchen Bereichen sind Sie tätig?
„Mobile Robotik soll Produktivität steigern und Prozesse flexibler machen. Ironischerweise ist der Weg dorthin meist ziemlich unflexibel. Planung, Integration und laufende Anpassungen sind komplex, zeitaufwendig und teuer. Genau dort setzt openmaind an.
Unsere KI-basierte Software übernimmt Aufgaben, für die heute Robotikexperten und individuelles Engineering notwendig sind. Betreiber können damit viele Entscheidungen und Anpassungen selbst vornehmen und Änderungen an Prozessen oder Flotten bis zu 10x schneller umsetzen. Integratoren wiederum automatisieren wiederkehrende Engineering-Aufgaben und können ihre Robotikexpertise dadurch über mehr Projekte skalieren. Das reicht von der Frage, welche Aufgaben sich wirtschaftlich sinnvoll automatisieren lassen und welches Budget dafür einzuplanen ist, über die Integration und Orchestrierung von Roboterflotten unterschiedlicher Hersteller bis zur laufenden Optimierung bestehender Flotten und Prozesse.
Dahinter stehen rund 20 Jahre Erfahrung in Intralogistik und mobiler Robotik. Unser Gründerteam hat zuvor incubed IT aufgebaut, hunderte mobile Roboter auf vier Kontinenten in den Einsatz gebracht und das Unternehmen 2021 an Verizon verkauft.“
Wo liegen Ihre Berührungspunkte mit der Automatisierungstechnik?
„Mobile Robotik funktioniert nie für sich allein. Roboter müssen mit Anlagen, IT-Systemen und vor allem den realen Abläufen im Betrieb zusammenspielen. Genau an diesen Schnittstellen entsteht heute ein großer Teil des Engineering-Aufwands.
openmaind verbindet unterschiedliche Systeme und Roboterhersteller und übernimmt einen Teil dieses Engineerings mit KI. Betreiber bleiben dadurch bei der Wahl ihrer Technologie flexibler. Integratoren verbringen weniger Zeit mit wiederkehrender Integrationsarbeit und mehr Zeit mit der eigentlichen Kundenanwendung.“
Wie sehen Sie die Zukunft der Automatisierungstechnik?
„Die Anforderungen an Automatisierung ändern sich immer schneller. Nachfrage, Produkte und Prozesse können morgen ganz anders aussehen als bei der Planung einer Anlage. Automatisierungssysteme müssen deshalb Aufgaben lösen können, für die sie ursprünglich gar nicht ausgelegt wurden. Die Herausforderung liegt damit zunehmend im Gesamtsystem und weniger in der einzelnen Maschine.
Dafür braucht es integrierte digitale Zwillinge, in denen unterschiedliche Szenarien ausprobiert und verglichen werden, bevor sie in der Realität umgesetzt werden. Gleichzeitig wird natürliche Sprache zunehmend zum Interface zwischen Menschen und Systemen – aber auch zwischen den Subsystemen selbst. Dadurch wächst die Zahl möglicher Zustände und Lösungen enorm.
Das ist eine große Chance: Statt weniger vorgeplanter Abläufe können Systeme aus einem viel größeren Lösungsraum die jeweils passende Variante finden. Die Herausforderung besteht darin, diesen Lösungsraum intelligent zu beherrschen – und sich nicht einfach in mehr Daten und mehr Möglichkeiten zu verlieren.“
Was ist das Besondere an Ihrem Unternehmen, wie heben Sie sich von der Konkurrenz ab?
„KI ist beeindruckend – bis sie beim zweiten Mal eine andere Antwort liefert. In der Automatisierung müssen Ergebnisse verlässlich und reproduzierbar sein.
Wir verbinden deshalb KI mit rund 20 Jahren Robotikexpertise und einem herstellerunabhängigen Ansatz. So automatisieren wir Engineering-Aufgaben, ohne die Kontrolle über das Ergebnis abzugeben. Änderungen lassen sich testen und bewerten, Systeme laufend verbessern und an neue Prozesse oder Rahmenbedingungen anpassen.
Am Ende geht es genau darum: Betreiber und Integratoren sollen ihre Automatisierung im Griff haben – und nicht von der Komplexität ihrer eigenen Systeme im Griff gehalten werden.“
Welches Ihrer Projekte/Produkte sticht für Sie besonders hervor?
„Viele Unternehmen wissen, dass sie stärker automatisieren müssen. Schwieriger ist die Frage, wo Automatisierung tatsächlich Kosten spart – und was sich dafür im Betrieb ändern muss.
Genau das können wir testen, bevor der erste Roboter gekauft wird. Wir bilden die realen Prozesse und Materialflüsse ab und betreiben darauf bereits das spätere Robotiksystem – nur die physischen Roboter werden zunächst simuliert. So wird sichtbar, wie sich unterschiedliche Abläufe und Automatisierungsvarianten verhalten, welche Einsparungen erreichbar sind und wo Prozesse angepasst werden müssen. Neben den Zahlen entsteht auch ein Video der Ausführung: Aus einem abstrakten Automatisierungskonzept wird eine Lösung, die man sehen, verstehen und intern diskutieren kann.
Betreiber können damit fundierter entscheiden, was sie automatisieren und welches Budget sie dafür einsetzen. Integratoren können Varianten schneller bewerten und ihren Kunden eine Lösung zeigen, statt sie nur in Konzepten und Zahlen zu beschreiben.“
Wieso haben Sie sich dazu entschieden, Mitglied der Plattform Automatisierungstechnik zu werden? Was erwarten Sie sich davon?
„Gute Automatisierung entsteht selten durch ein Unternehmen allein. Betreiber kennen ihre Prozesse, Integratoren bringen Anwendungen zusammen, Hersteller liefern spezialisierte Technologien – interessant wird es dort, wo dieses Wissen zusammenkommt.
Genau diesen Austausch suchen wir in der Plattform Automatisierungstechnik. Wir wollen mit Unternehmen an konkreten Anwendungen arbeiten, Erfahrungen teilen und neue Ansätze früh in die Praxis bringen. Gleichzeitig möchten wir dazu beitragen, dass KI und Automatisierung nicht nur anderswo entwickelt werden, sondern hier in der Steiermark in realen industriellen Anwendungen Mehrwert schaffen.“
Fact Box
- Gründungsjahr: 2024
- Anzahl Mitarbeiter:innen: 5 Menschen & 15 KI-Agent:innen
- Unternehmensschwerpunkte: KI-basierte Planung, Integration und herstellerunabhängige Orchestrierung mobiler Robotik
- Anwendungsbereiche: Intralogistik, AMRs & AGVs, Multi-Vendor-Flotten
- Standort: Graz, Nikolaiplatz 4
